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Ein Elchinger Musikerlebnis


Fotos: Yvonne Faber und Klaus Peter Berg

Die Erleichterung war Brigitta Ambs ins Gesicht geschrieben, als sie nach dem Abschlusskonzert am Montagabend die ersten ELCHINGER MUSIKTAGE für beendet erklärte und den vielen Künstlern, den Helfern und vor allem dem überaus zahlreichen Publikum dankte – und gleich ein weiteres Festival in Aussicht stellte. Natürlich vergaß sie nicht, die Widerstände zu erwähnen, die dem Organisationsteam bei der Vorbereitung dieses ehrgeizigen Vorhabens erwuchsen. Wie viele Vorbehalte waren geäußert worden, wie viele Fragen hatte man sich gestellt: „Braucht Elchingen ein Musikfestival? Hat man nicht in Ulm alles, was das Herz begehrt? Orchester, Chöre, Theater? Wie sollen die jungen Leute eine solche Aufgabe stemmen, und überhaupt: wer will das hier?“

Nach den fünf intensiven Festtagen stellt man fest: selten sind Zweifel restloser zerstreut, ist Skepsis gründlicher ausgeräumt worden. Im Gegenteil: Es überwiegt die Hochstimmung, denn es war ein rundum gelungenes, grandioses Musikfest, dem selbst ein launischer Wettergott nichts anhaben konnte.

Die Euphorie gründet natürlich zum einen auf dem Erfolg des hochkarätigen und außergewöhnlich vielseitigen Programms, das aus den Musiktagen wahre MusikERLEBNIStage machte: die Eröffnung in der Klosterkirche mit praktisch nie zuvor aufgeführter Musik VON großenteils Elchinger Komponisten-Patres (vornehmlich der Mozartzeit) seinerzeit FÜR das Elchinger Kloster geschrieben, und zudem großartig interpretiert DURCH teilweise Elchinger Musiker und ihre Freunde. Nebenbei: die Kirchgänger vor 250 Jahren müssen mindestens so empfänglich für schöne, lebensvolle Musik gewesen sein wie wir Heutigen, wenn man die Qualität der Werke zugrundelegt, die teilweise erst kürzlich entdeckt, mühsam zusammengefügt und jetzt wieder neu zum Klingen gebracht wurden.

Und dann war es auch nicht nur der „Oberthalfinger“ Konstantin Krimmel, der dem Festival Glanz verlieh (wir erinnern daran, dass er vor einigen Jahren beim legendären Thalsinger Abend im Laurentiussaal gewissermaßen seine niederen künstlerischen Weihen empfing!), sondern ebenso die anderen Akteure, die an ungewohnten Orten und zu unüblichen Zeiten für große Stimmung sorgten: auf Bauernhöfen, zwischen Stadeln (von den Eigentümern bereitwillig zur Verfügung gestellt), nachts in der festlich beleuchteten Unterelchinger Kirche, im Wald und im Haus Tobit. Der rege Zuspruch für das weitgefächerte Programm und die begeisterten Reaktionen haben bewiesen, dass Musik jeglicher Art auch in Elchingen Resonanz findet: Kinderlieder und Mitmachtheater für die Kleinen ebenso wie populäre Evergreens für die Senioren und anspruchsvolle Klassik für „jedermann“, wenn sie von engagierten jungen Leuten, von kompetenten Musiktherapeuten, Sängerinnen und Instrumentalisten dargeboten wird. Wie vorteilhaft, dass unsere örtlichen Musiker sich inzwischen ein dichtes Künstler-Netzwerk geschaffen haben, das bereits ganz Deutschland überspannt.

Konstantin Krimmel (Fotos: Ivonne Faber und Klaus Peter Berg)

Und wo hat man denn schon mal Gelegenheit, Musikern und „echten“ Weltstars so richtig nahezukommen? Wo sind sie je so nahbar wie bei einem Glas Sekt an den Stehtischen vor und nach den Konzerten und in den Pausen? Hier ließen die Künstler einfach „mit sich reden“, statt wie die Hohenpriester der holden Kunst einem Publikum auf Distanz Ehrfurcht einzuflößen. Dazu war zum Beispiel der Herr aus Belgien gekommen, der eigens den weiten Weg nach Thalfingen angetreten hatte, um Konstantin Krimmel einmal von nahem zu sehen und dann gleich noch beim Stimmfrühstück am nächsten Morgen begeistert mitsang. Auch die anderen Spitzenmusiker, die den Weg zu uns fanden, obwohl sie längst auf den Bühnen in aller Herren Ländern unterwegs sind, zeigten sich gern von ihrer Alltagsseite und dankten herzlich für den großen Zuspruch, den sie in der tiefen schwäbischen Provinz erfuhren.

Zum anderen hat das Festival aber auch dem Standort Elchingen und im weiteren Sinne unserem Schwaben gutgetan, wie es auch in den Grußworten der Politiker zum Ausdruck kommt: Bezirkstagspräsident Sailer, Bezirksrat Pressl und Landrat Freudenberger steuerten Worte des Dankes und der Ermunterung zum von Brigitta Ambs besorgten vorzüglichen Programmheft bei und hoben hervor, dass das Vorhaben in jedem Fall Unterstützung verdient. Sehr zu Recht wurden die Elchinger Musiktage daher, für ihre außergewöhnlichen und bürgernahen Formate, mit dem „Land in Aktion“ Förderpreis des DAKU/bpb ausgezeichnet und wurden für den Deutschen Engagementpreis 2023 nominiert.

Schließlich scheint die Freude über das Gelingen des Festivals auch auf die Elchinger übergesprungen zu sein: Man traf Leute in den Konzerten, denen man sonst allenfalls beim Einkaufen begegnete; man tauschte sich aus und teilte seine Begeisterung; viele legten spontan Hand an, wenn Hilfe beim Auf- und Abbau oder beim Ausschank benötigt wurde. Dem Elchinger Gemeinschaftsgefühl hat es sicher nicht geschadet. Eine Konzertbesucherin aus dem Nachbarkreis gestand mir ihre Bewunderung für die Elchinger, die eine solche Veranstaltung auf die Beine gestellt hatten. „In unserem Dorf wäre das nicht möglich gewesen“, sagte sie nach dem Auftritt der Sängerin und der Harfenspielerin am letzten Abend, „es ist ein echtes Erlebnis“.

In der Tat, wer bei diesen „Musikerlebnistagen“ nicht dabei war, hat etwas versäumt.

L.Hüls

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